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Kurs Ästhetische Bildung in Lingen

Wie Kinder Alltägliches mit allen Sinnen wahrnehmen

Das Kindeswohl im Blick haben von links Annette Sievers, Elke Schürhaus, Sivia Elfert, Teresa metz und Rabea Fastabend. Foto: Caroline Theiling

Lingen. Was heißt eigentlich Ästhetische Bildung? Ästhetik gilt traditionell als Theorie des Schönen und der Kunst. Geht man allerdings vom Wortursprung aus bedeutet es die Lehre von der Wahrnehmung mit allen Sinnen. Dazu bietet die Kunstschule Lingen ab September eine Fortbildung an.
„Das ‚Schöne‘ steht nicht im Mittelpunkt“, sagt Silvia Elfert, eine der Dozentinnen der Qualifizierungsmaßnahme, die sich an Fachkräfte richtet, die in der frühkindlichen Bildung in Krippen oder im Elementarbereich tätig sind. „Es geht immer um das Sinnerleben, eigenes Erforschen und Gestalten.“ Gerade in diesem Lebensabschnitt würden die Grundsätze gelegt, auf die man in der Schulzeit aufbauen könne.

Neuer Blickwinkel auf das tägliche Tun

„Durch diese Fortbildung bekommt man einen anderen Blickwinkel auf das tägliche Tun und auf die Kinder“, berichtet Rabea Fastabend, die an der letzten Maßnahme teilgenommen hat. Sie arbeitet in der Kindertagesstätte St. Michael in Lingen und hat das Erlernte schon anwenden und auch an Kolleginnen weitergeben können.

Eltern ins Boot holen

„Kinder brauchen keine Spielsachen, sondern Sachen zum Spielen,“ brachte es Teresa Metz auf den Punkt. „Wir dürfen nicht zum Entertainer für die Kinder werden“, ergänzt Elke Schürhaus, eine weitere Dozentin. „Kinder sollen lernen durch eigenes Erleben“. Gut sei es, wenn man die Eltern mit ins Boot holen könne und ihnen die Motivation nahe bringen. Denn so könne man die Kapazitäten aller ausnutzen. Es sei erwiesen, dass die Ästhetische Bildung unter anderem zum mehr Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit, aber auch zu mehr sozialer Kompetenz beitrage.

Noch Anmeldungen möglich
„Wir sind sehr stolz darauf, diesen Kurs jetzt bereits zum dritten Mal anbieten zu können“, betont Annette Sievers, Leiterin der Kunstschule in einem Gespräch mit der Redaktion. Die Maßnahme umfasst insgesamt 100 Unterrichtsstunden in Theorie und Praxis und schließt ab mit dem Zertifikat „ Fachkraft Ästhetische Bildung “. Seit 2015 liegt eine unabhängige Begutachtung dieser Fortbildung vor. Damit wurde sie auf Bachelor-Niveau eingestuft und kann auf Hochschulstudiengänge angerechnet werden. Während die ersten beiden Kurse noch vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert wurden, müssen jetzt die Teilnehmer die Kosten von 500 Euro selbst tragen.
Die nächste Fortbildung beginnt am 23. September und endet am 7. April 2017 mit einer Abschlusspräsentation. Eine Anmeldung ist noch bis zum 22. August unter Tel. 0591/4077 oder unter www.kunstschule.de möglich.

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Ferienangebote in der Kunstschule Lingen

Unter dem Titel Urban Jungle startet das Lookentor am 5. Juli erstmalig ein großes Street-Art-Projekt, an dem sich die Kunstschule mit zwei Aktionen beteiligt. Mitten in der Fußgängerzone, in einem leerstehenden Ladenlokal mit großem Schaufenster, befindet sich in dieser Zeit das außergewöhnliche Street-Art-Atelier der Kunstschule.

  1. Fantasy, nicht von dieser Welt? Oder doch?

In der Fantasy-Werkstatt habt Ihr die Möglichkeit eure Stadt mitzugestalten: entwerft und gestaltet abenteuerliche, fantastische und verrückte Sitzmöbel im Jungle-Style für die Lookentor-Passage. Damit die Passanten später auch bequem darauf sitzen können, um sich in Ruhe die verschiedenen Street-Art-Objekte anzusehen, müssen die Möbel natürlich nicht nur möglichst ausgefallen, sondern auch stabil sein. Gefragt sind also Fantasie, Kreativität und Experimentiergeist bei der Gestaltung und beim Entwickeln von geeigneten Design-Modellen.

Alter: 8 – 12 Jahre

Wann: 11. – 14. Juli 2016 9.00 – 12.30 Uhr

Leitung: Elke Schürhaus, Andrea Niemeyer

 

  1. City-(Land-)Art

Wir begeben uns auf Streifzüge durch die Lingener Innenstadt und halten Ausschau wo sich die Natur in der Stadt versteckt. „Zufällig“ Gefundenes kann dann in fantasievolle und ungewöhnliche Kunstobjekte verwandelt werden, die dann für die Passanten in zwei Bereichen der Fußgängerzone zu sehen sein sollen. Wie wohl die Lingener auf riesige Ameisen, verrückte und bunte Käfer und Schmetterlinge oder vielleicht einen gigantisch großen Löwenzahn in ihrer Stadt reagieren?

Alter: 8 – 14 Jahre

Wann: 18. – 21. Juli 2016 9.30 -12.30 Uhr

Leitung: Elke Schürhaus, Silvia Windoffer

 

Anmeldung: Kunstschule Lingen, Tel. 0591/4077 oder www.kunstschulelingen.de.

Die Aktionen finden in Kooperation mit dem Lookentor und dem LWT Lingen statt.

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Kunstschultag in Lingen mit verschiedenen Aktionen

Lingener Tagespost 13.06.2016

Unter dem Motto „Kunstschulen verbinden Welten“ hat am Samstag die Kunstschule Lingen Kunstschulfreunde zum zweiten landesweiten Kunstschultag auf dem Universitätsplatz in Lingen eingeladen. Im Mittelpunkt des Kunstschultages, an dem mehr als 20 Kunstschulen aus Niedersachsen an verschiedenen Orten Projekte veranstalten, stand in Lingen die Ausstellung des Jahresprojektes „Kreativ(Frei)tage“. Annette Sievers, Leiterin der Kunstschule, und unter anderen die Zweite Bürgermeisterin der Stadt Lingen, Monika Heinen, eröffnete die Veranstaltung, deren Schwerpunkt kulturelle Integration und teilhabe ist. Es gab kreative Aktionen, welche die Kinder entdecken durften. Die kleinen Kunstschulfreunde konnten Teller bemalen, Rasseln und Trommeln bauen oder ein Windspiel basteln. Für die großen Kunstschulfreunde stand ein Kuchenbuffet des Internationalen Kulturvereins von Frauen für Frauen bereit. Zum Abschluss gab es eine Tanzvorführung in Kooperation mit dem Theaterpädagogischen Zentrum.
„Kreativ(Frei)tage“ ist ein offenes Programm der Kunstschule Lingen an dem an Freitagnachmittagen ohne Voranmeldung Kinder mit einer Begleitperson zeichnen, malen, basteln, formen, gestalten und experimentieren dürfen. Für Zugewanderte und Flüchtlinge ist die Veranstaltung kostenfrei und wird auch im Herbstsemester 2016 angeboten. Der Kunstschultag stand 2016 unter der Schirmherrschaft der niedersächsischen Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kiljajic. (Von Lida Mehri)

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Kunstschulen verbinden Welten

2. landesweiter Kunstschultag am 11. Juni 2016 in Lingen (14-17 Uhr)

Am 11. und 12. Juni laden die Kunstschulen Niedersachsens zum zweiten Mal landesweit zum kreativen Austausch ein, zeigen phantasievolle Kunstwelten und informieren über ihre Arbeit. Die Ministerin für Wissenschaft und Kultur Dr. Gabriele Heinen-Kljajić hat auch in diesem Jahr wieder die Schirmherrschaft für den Kunstschultag übernommen.
Das diesjährige Thema Kunstschulen verbinden Welten ist Programm und repräsentiert das Profil der Kunstschulen, die in ihrer Praxis nicht nur die Vielfalt der Künste verbinden, sondern die mit den Künsten als Kommunikationsform auch Menschen und Partner zusammenbringen.
Am 11. Juni öffnet darum auch die Kunstschule Lingen ihre Türen und präsentiert mit der Ausstellung Kreativ(Frei)tage 2016 und einem bunten und kreativen Programm für Große und Kleine Kunstschulfreunde, in welcher Art und Weise unsere Kunstschule Welten zu verbinden vermag. Um 14 Uhr beginnen wir mit der Eröffnung der Ausstellung. Anschließend laden wir ein zu verschiedenen Mitmachaktionen, zu Kulinarischem, Tanz und Rhythmen verschiedener Kulturen auf dem Universitätsplatz. Unterstützt werden wir dabei vom Internationalen Kulturverein – von Frauen für Frauen e.V. und dem TPZ Lingen.
Das Kunstschulteam Lingen freut sich auf alle großen und kleinen Besucher und auf einen bunten, vielseitigen und fröhlichen Nachmittag!

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Das neue Programmheft für das zweite Halbjahr 2016 ist da!!!

Herzlich lädt die Kunstschule Lingen ein zu einem umfangreichen, bunten und kreativen Programm für das zweite Halbjahr 2016. Es umfasst wieder vielseitige Angebote für alle Altersgruppe in Lingen und den Außenstellen in Baccum, Emsbüren und Spelle.
Es beginnt am 11. Juni und starten mit dem landesweiten Kunstschultag, der dieses Jahr unter dem Motto Kunstschulen verbinden Welten steht und der Ausstellungseröffnung Kreativ(Frei)tage 2016. Es folgen die Sommerferien mit verschiedenen Werkstatt-Angeboten und dann der offizielle Semesterbeginn im August mit: Ästhetischer Frühförderung, Keramik-Kursen, Holzwerkstatt, Mal- und Zeichenateliers, der langen Malnacht, Kunstreisen für Kinder und Familien, dem Lichterfest, Ausstellungen, neuen Terminen für das Fortbildungsangebot Fachkraft Ästhetische Bildung, Kreativ(Frei)tagen und vielem mehr. Ganz neu im Programm sind einige Angebote speziell für Jugendliche, die sich z.B. zur Kochaktion Kommt gar nicht aus der Tüte, zu einem Mode-oder Design-Atelier, oder aber dem Kurs Theaterskizzen anmelden können.
Das Kunstschulteam wünscht mit dem neuen Programm viel Spaß und kreative Freude und freut sich auf viele Besucher!
Hier steht das Programm 02/2016 als Download zur Verfügung !

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Kreativ(Frei)tage 2016

Auch 2016 bietet die Kunstschule Lingen wieder das offene Programm am Freitagnachmittag an. Ohne Voranmeldung kann an dem Angebot in den Räumen der Kunstschule teilgenommen werden. Ob mit Groß-/Eltern, Geschwistern oder Freunden – hier darf mit Spaß gemalt, gezeichnet, gedruckt, geformt, gestaltet, gebaut und experimentiert werden. Die Kinder werden angeregt und ermutigt ganz persönliche Ideen kreativ umzusetzen und unterschiedlichen Themen mit verschiedenen Techniken und Materialien zu begegnen.

Alter: 4- 10 Jahre mit Begleitperson

Wann: Freitag, 15:00  – 17:00 Uhr

Termine: 22. Januar/ 5. und 17. Februar/ 4. März/ 8. und 22. April/ 13. und 27. Mai/ 10. Juni/ 26. August/ 9. und 23. September/ 21. Oktober/ 11. und 25. November/ 9. Dezember 2016

Kosten: 5,00 Euro pro Kind, inkl. Materialkosten

Für Flüchtlinge und Zugewanderte kostenfrei

Ausstellung Kreativ(Frei)tage

Die Ausstellungseröffnung findet im Rahmen des zweiten landesweiten Kunstschultages statt. Wir öffnen an diesem Tag unsere Türen und laden unter dem Motto Kunstschulen verbinden Welten zu einem kreativen Programm für Groß und Klein ein.

Wann: Samstag, 11. Juni 2016, 14:00 – 17:00 Uhr

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Neue FÄB Termine

Die berufsbegleitende Qualifizierung richtet sich vorrangig an Fachkräfte, die in der frühkindlichen Bildung in Krippen oder im Elementarbereich tätig sind, ist darüber hinaus aber durchaus interessant für Sozialassistenten, Heil- und Sozialpädagogen sowie für den Bereich Flüchtlingshilfe. Ziel ist es, die Teilnehmer mit den vielfältigen Methoden der ästhetischen Bildung vertraut zu machen. Sie erhalten dabei konkrete Anregungen zu einer alltagsintegrierten Ästhetischen Bildung, mit der Kinder in ihrer ganzheitlichen Entwicklung unterstützt werden können.

Die Qualifizierung schließt mit dem Zertifikat „Fachkraft Ästhetische Bildung“. Seit 2015 liegt eine unabhängige Begutachtung dieser Fortbildung vor. Damit wurde sie auf Bachelor-Niveau eingestuft und kann auf Hochschulstudiengänge angerechnet werden.

Die Maßnahme umfasst insgesamt 100 Unterrichtsstunden Theorie und Praxis, beinhaltet das Basismodul „Grundlagen der Ästhetischen Bildung“ und zwei Fachmodule „Ästhetische Bildung und Vielfalt“ sowie „Ästhetische Bildung und Kinder unter Drei“.

Basismodul:

Freitag, 23.09.2016 von 9:00 – 17:00 Uhr

Samstag, 24.09.2016 von 9:00 – 17:00 Uhr

Freitag, 30.09.2016 von 9:00 -17:00 Uhr

 

FM/ U3:

Freitag, 21.10.2016 von 9:00 – 17:00 Uhr

Freitag: 18.11.2016 von 9:00 – 17:00 Uhr

 

FM/ Vielfalt:

Freitag, 20.01.2017 von 9:00 – 17:00 Uhr

Freitag, 27.01.2017 von 9:00 – 17:00 Uhr

 

Abschlusspräsentation:

Freitag 07.04.2017 von 9:00 – 15:00 Uhr

 

Ort: Kunstschule Lingen
Referentinnen: Silvia Elfert, Elke Schürhaus

 
Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann fordern Sie das Bewerbungsformular bei uns an. Weitere Informationen erhalten die durch unseren Flyer, der als Download für Sie hier
zur Verfügung  steht oder unter Tel. (0591) 4077

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Frauen verarbeiten Gewalterfahrungen in Projekt von SKF und Kunstschule

Lingener Tagespost, 12.03.2016

 

Lingen. Der SKF Lingen und die Kunstschule Lingen haben das Projekt „Kunst und Trauma“ ins Leben gerufen. Frauen verarbeiten darin Gewalterfahrungen.

Horizontal sind die Farben im Bild von Margot Henssler (Name von der Redaktion geändert) angeordnet. Unten ein dunkles Blau über Dunkelrot, Rosa und Gelb bis zu einem leuchtenden Grün am oberen Bildrand. „Ich wollte damit ausdrücken, dass ich immer weiter aus dem Dunklen raus bis ins Helle gekommen bin“, erklärt die Teilnehmerin am Projekt „Kunst und Trauma“. Wie die anderen sechs Teilnehmerinnen des Projektes hat sie in ihrer Ehe Gewalt erfahren. „Die Frauen haben vielfältige Gewalterfahrungen. Sie haben körperliche Gewalttätigkeiten unter anderem in Form von Schlägen, Würgen, sexueller Gewalt bis hin zu Mordversuchen erlebt.“

Selbstbild gerät ins Wanken

Psychische Gewalt äußere sich in Drohungen, Demütigungen, Beschimpfungen, Verboten und Kontrolle“, sagte Monika Olthaus-Göbel jetzt in ihrer Begrüßungsansprache auf dem Flur des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF) in Lingen. Das gesamte Selbstbild dieser Frauen gerate ins Wanken; sie seien zutiefst traumatisiert, erklärt die Diplom-Sozialarbeiterin, die auch Traumapädagogin ist. Um die Traumatisierten für ihre eigene Wahrnehmung und ihre Bedürfnisse zu sensibilisieren und sie wieder zu stärken, hat der SKF gemeinsam mit der Kunstschule Lingen das Projekt „Kunst und Trauma“ ins Leben gerufen. Finanziert wurde es vom Inner Wheel Lingen, dem weiblichen Pendant des Rotary Clubs.

Symbolträchtige Schritte

„Danke für diesen Anstoß“, wandte sich Elke Schürhaus an die Vertreterinnen des Inner Wheel. Schürhaus ist Kunsttherapeutin und hat mit sieben betroffenen Frauen von Mai bis Dezember des letzten Jahres alle vierzehn Tage intensiv an dem Projekt gearbeitet. Symbolträchtig waren die einzelnen Schritte. So wurde beispielsweise ein Kreis zunächst in Tortenstücke eingeteilt und diese dann nacheinander ausgefüllt – „man kann nicht alles auf einmal bearbeiten“. Oder es wurde zu einem Termin Essen mitgebracht unter dem Motto „was hat mir im Leben geschmeckt und was nicht“. Daraus entstanden ist ein kleines Bild, das Margot Henssler mit Beerenfotos aus Zeitschriften beklebt hat. „Für mich symbolisiert das: Auch, wenn ich nicht viel habe, aber ich kann mir trotzdem wieder etwas gönnen.“

Projekte sollen weitergeführt werden

Henssler gehört zu den Frauen, die es geschafft haben, sich aus der gewalttätigen Beziehung zu befreien. Andere Frauen, die im Projekt dabei waren, sind noch nicht so weit. Die Gespräche und der Gruppenzusammenhalt neben der künstlerischen Betätigung seien besonders wichtig gewesen. „Diesen Weg könntest du auch gehen. Aber jede ist anders. Wir haben es schon geschafft; damit haben wir den anderen Mut machen können“, betont sie, die ihr Leben jetzt neu geordnet hat. Ein Höhepunkt im Projekt war eine Fahrt ins Coda Museum in Apeldoorn. Dieser wurde vom Büro der Gleichstellungsbeauftragten Angelika Roelofs finanziert. Daraus entstanden Papierigel. Zu welchen künstlerischen Ergebnissen die einzelnen Teilnehmerinnen jede für sich oder in Gemeinschaft auch kamen: „Solche Projekte sollen weitergeführt werden. Diese Gruppenarbeit hat mich darin bestärkt zu sehen: Wir Frauen sind stark. Wir können etwas und wir sind wertvoll“, dessen ist sich Margot Henssler inzwischen wieder sicher.

Die Ausstellung der vielfältigen Gemälde, Skulpturen, Papierigel etc. kann während der Bürozeiten des SKF in der Bögenstraße 12 in Lingen besichtigt werden.

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Kann künstlerische Betätigung heilen?

Lingener Tagespost, 25. August 2015

Ja, sie kann den seelischen Heilungsprozess voranbringen, meinen die beiden Kunsttherapeutinnen Natalie Heinen und Elke Schürhaus. Die beiden Frauen kennen sich von ihrer Tätigkeit als freiberufliche Dozentinnen an der Kunstschule Lingen.

Auf unterschiedlichen Wegen sind sie zu ihrem Beruf gekommen.

Heinen ist 27 Jahre alt. Nach dem Realschulabschluss hat sie eine Ausbildung zur Raumausstatterin gemacht. „Das hat mir Spaß gemacht, aber ich wollte noch mehr in den kreativen Bereich gehen, strebte nach freierem Arbeiten“, erzählt die Lingenerin. Ihr Fachabitur holte sie an der Fachoberschule Gestaltung nach, und dort hörte sie vom Studiengang Kunsttherapie. In Ottersberg hinter Bremen wurde sie nach einer Orientierungswoche und einer Mappenpräsentation angenommen. „Das Studium war sehr praxisorientiert. Neben dem Ausprobieren vieler Materialien waren natürlich auch Pädagogik und Psychologie Inhalte an der Hochschule für Künste im Sozialen“, erklärt die Absolventin. Mit diesem Abschluss hat Heinen einige Jahre an der Fachklinik Holte-Lastrup mit Suchtkranken gearbeitet, bis zu deren Schließung. Die eigene Bildsprache entwickeln Also Kunstunterricht in der psychosomatischen Klinik? „Nein, bitte vergleichen Sie mich niemals mit Ihrem Kunstlehrer! Das sage ich meinen Patienten immer. Ich habe keine inhaltlichen Vorgaben, und ich benote nicht. Es ist zwar schön, wenn jemand ein tolles Bild gemalt hat, aber darum geht es nicht. Es sollte nicht das Ziel der Kunsttherapie sein, dass alle hinterher van Goghs sind“, wird Heinen hier sehr deutlich, und ihre Kollegin Schürhaus stimmt absolut zu: „In der Kunsttherapie darf jeder seine eigene Bildsprache entwickeln. Kunsttherapeuten sind nicht am Objekt interessiert, sondern es geht um den Prozess, wie der Patient zu dem Werk gelangt.“ Schürhaus ist rund doppelt so alt wie Heinen und ist auf einem anderen Weg zur Kunsttherapie gekommen. „Ich bin Erzieherin. Im Theaterpädagogischen Zentrum (TPZ) Lingen habe ich viel gemacht, bis ich selber zu einer Kur musste. Kaum hatte ich den Schlüssel zum TPZ abgegeben, da bekam ich den Schlüssel zur Kunstschule mit“, beschreibt die Thuinerin ein buchstäbliches Schlüsselerlebnis, das sie mit 37 Jahren hatte. Kunsttherapie für Schmerzpatienten Schürhaus ist überzeugt davon, dass das Leben aus solchen Schlüsselerlebnissen besteht, und schon als sie berufsbegleitend Heilpädagogik studiert hat, hatte sie mit dem Gedanken gespielt, Kunsttherapie anzubieten. In der Zukunftswerkstatt therapie kreativ in Neukirchen-Vluyn bei Duisburg fand sie schließlich ihre Ausbildungsstätte. „Ich habe schon Projekte mit dem Frauenhaus, aber auch mit Schmerzpatienten durchgeführt“. Dr. Waltraud Krone-Öing vom Bonifatius-Hospital Lingen habe gern Kunsttherapie für Schmerzpatienten anbieten wollen, erzählt Schürhaus weiter. Im Krankenhaus gebe es aber kein Atelier, und so sei man auf die Kunstschule zugekommen. Zwei Wochen seien diese Patienten zur Intensivbehandlung im Hospital, und an den Wochenenden bestehe nun das Angebot der Kunsttherapie am Universitätsplatz. „Viele kommen erst einmal zum Kennenlernen hierher. Es gibt so viele Patienten, die seit der Grundschulzeit nicht mehr gemalt haben. Die sind oft erst unsicher“, erzählt Schürhaus. Auch Heinen kann das bestätigen: „Gerade Männer sitzen manches Mal mit verschränkten Armen am Tisch und sagen: Weißer Adler auf weißem Grund, das ist jetzt mein Werk. Ich frage dann: Wie sieht denn Ihr Adler aus? Und versuche so, sie aus der Reserve zu locken. Oft steckt dahinter, dass die Patienten Angst haben, etwas zu offenbaren, was sie eigentlich nicht äußern wollten.“ Vertrauensaufbau sei sehr wichtig. Als Kunsttherapeutin brauche man eine unglaubliche Wahrnehmungsfähigkeit: Wie fühlt sich der Patient? Welches Material tut ihm gut? Braucht er mehr Unterstützung oder mehr Freiheit? Über das Malen zum Erzählen Gerade bei den Schmerzpatienten sei es häufig ein Anfang, dass die Patienten zunächst einmal ihre Hände spürten. Sie dürfen dann mit den Händen malen, und Schürhaus könne sehen, wie sie die Hände halten, ob sie beispielsweise Blockaden haben. „Manche malen dann mit Inbrunst zwei Stunden lang und kommen darüber ins Erzählen“. Die Kunsttherapeutinnen gehören zum Therapeutenteam und gehen auch mit in die Teamsitzungen. Erfahrungen aus der Kunsttherapiestunde können dann als Anknüpfungspunkte für die Ärzte dienen. „Der Erfolg von Kunsttherapie ist aber nicht messbar“, betont Schürhaus. Und Stellen seien rar gesät. Daher sei es wichtig, diverse Bereiche zu erlernen, um sich zu etablieren. Heinen beginnt daher im Herbst ein Studium in Sozialpädagogik / sozialer Arbeit an der Medikon in Nordhorn. In ihrem Praktikum beim Kinderschutzbund Lingen würde sie gern kunsttherapeutische Angebote machen.

 

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INKLUSION.Schritte

Holzstelen der Inklusion im Stadtpark

Zur Abschlusspräsentation unseres Jahresprojektes INKLUSION.Schritte, anlässlich des 50. Jubiläums des Christophorus Werkes, wurden die Holzstelen der Inklusion am Samstag, den 18.07.2015, im Stadtpark am Amtsgericht feierlich eingeweiht. Ebenso gab es parallel zum Stadtfest der Inklusion auch Mitmach-Aktionen von uns: eine Holzstele wurde kreativ mit „Gedankenplättchen“ ergänzt, mit Füßen, Rollator und unterschiedlichen Schuhe Spurenbilder entwickelt und die Projektausstellung „SCHRITTE.gemeinsam wege gehen“ der Ateliers „Farbenfroh“ und „Kunterbunt“.
Weitere Infos und Bilder hier.